Bestandsaufnahme der rechten Szene in Görlitz


Freie Kräfte

Die rechte Szene in Görlitz ist durch nicht parteigebundene Neonazis bestimmt. Besonders auffällig sind dabei zwei Gruppierungen, zwischen denen es personelle Überschneidungen gibt. Die Kameradschaft Boot Boys, die sich auch 22 Crew nennt und die Freien Kräfte Görlitz (wahlweise auch: Autonome Nationalisten Görlitz). Die Freien Kräfte Görlitz betreiben im Internet zudem einen Blog, der nur sehr selten aktualisiert wird. Personelle Überscheidungen gibt es bei den Freien Kräften Görlitz außerdem mit in Görlitz wohnenden Anhängern verschiedener Fußballvereine.

Im Herbst 2008 gab es eine Razzia bei Mitgliedern der Kameradschaft Boot – Boys, wobei zahlreiche Waffen und Propagandamaterialien sichergestellt wurden. Zahlreiche rassistische und antisemitische Straftaten sowie Angriffe auf alternative und linke Jugendliche gehen auf das Konto von Boot Boys-Mitgliedern. Verbindungen gibt es bei den Görlitzer Boot – Boys bundesweit.

Die Freien Kräfte Görlitz fallen ebenfalls durch Gewalttaten auf, treten jedoch primär durch Sachbeschädigungen in Erscheinungen. Regelmäßig werden sie bei den sogenannten „Hess – Wochen“ mit Propaganda-Aktionen wie Sprühereien und Flugblättern aktiv. Verbindungen gibt es bei den Freien Fräften ebenfalls bundesweit.

Als Kameradschaft treten die Boot Boys in Görlitz öffentlich durch das Tragen einheitlicher Kleidung mit ihrem Logo auf. Auf Demonstrationen und Aktionen waren Mitglieder der Kameradschaft unter anderem am 13.02.2009 in Dresden hinter dem Transparent der Nationalen Sozialisten Ostsachsen im Outfit autonomer Nationalisten zu sehen. Im gleichen Demonstrations – Block waren auch Mitglieder der Freien Kräfte Görlitz ebenfalls in einheitlicher schwarzer Kleidung und teilweise vermummt zu finden.

Einige Mitglieder der Boot Boys sind in Görlitz in verschiedenen Fußball – Vereinen aktiv, wobei sie im Fußballverein Energie Görlitz einen großen Teil des Mannschaftskaders der ersten Mannschaft stellen. Enge Verbindungen gibt es außerdem zu dem Fußballverein FSV Görlitz – Schlesien, der auf der Kränzelstraße eine Kneipe betreibt. Beim sogenannten Lausitz – Cup des Vereins nehmen regelmäßig zahlreiche Neonazi – Mannschaften teil.

Seit 2008 sanieren Mitglieder der Boot Boys in Görlitz in der Nähe des Helenenbad eine alte Industriebrache zur Nutzung für rechtsextreme Konzerte und Veranstaltungen. Die Immobilie wurde privat vom langjährigen Görlitzer Neonazi – Aktivisten Rene Nierling erworben. Dieser Club könnte sich in Zukunft zu einem überregionalen Treffpunkt, ähnlich dem der Schlesischen Jungs in Niesky oder des Nationalen Jugendblocks in Zittau entwickeln.

Viele Görlitzer Neonazi – Aktivisten sind auf dem Internetforum Thiazi angemeldet und aktiv. Fast alle Aktivisten der Boot Boys und Freien Kräfte nutzen die ostsächsischen Internet – Communities the reality und snapscouts zur Kommunikation, Rekrutierung und Mobilisierung. Hier unterhalten sie auch eigene User – Groups. Teilweise sind sie auch auf anderen überregionalen Communities wie jappy, meinvz etc. aktiv.

    UPDATE 2012 – 2014

Die Fußballabteilung von Energie Görlitz wurde im Laufe des Jahres 2012 aufgrund des größer werdenden öffentlichen Drucks aufgelöst. Die dort spielenden Neonaziaktivisten sind teilweise in anderen Mannschaften untergekommen. Darüber hinaus haben sich einige Mitglieder der Kameradschaft BootBoys im Bereich Dartspiel organisiert und nehmen regelmäßig an Dart-Wettkämpfen teil. Außerdem betreiben sie mittlerweile eine Dart-Kneipe in Görlitz Weinhübel. Einer der führenden Köpfe der Kamerdschaft Boot – Boys Görlitz arbeitet mittlerweile als Fußball – Kindertrainer beim NFV Gelb-Weiß Görlitz e.V.. Der Verein hält trotz der Aktivitäten seines Trainers an ihm fest. Der Aktivist selbst gab in einem Zeitungsinterview an, dass er „ruhiger geworden sei“. Von einem Ausstieg aus der Neonazi-Szene spricht er nicht. Dafür gibt es auch bisher keinerlei Hinweise. Insgesamt ist sichtbar geworden, dass die Kameradschaft ihre Aktivitäten mit dem Wegfall der Fußballmannschaft in den nichtöffentlichen Bereich verlegt hat. Dies geschah vermutlich um evtl. weitergehenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Görlitz auszuweichen. Wahrnehmbar ist die Kameradschaft im Stadtbild aktuell kaum. Es ist aber sichtbar, dass sie v.a. in ihrem Club am Helenbad und ihrer Dartkneipe weiterhin aktiv ist.

Division Schlesien: Im Laufe des Jahres 2014 hat sich in Görlitz eine neue Gruppe namens „Division Schlesien“ im parteifreien Spektrum gebildet. Nachdem die Freien Kräfte Görlitz / Aktionsgruppe Görlitz ihre Aktivitäten weitestgehend eingestellt haben und ihre Internetseite seit 2012 nicht mehr aktualisiert wird, ist dies wieder ein Versuch im parteifreien Spektum in Görlitz Fuß zu fassen. Jedoch konnte auch die „Division Schlesien“ keine Kontinuität entwickeln und hatte bereits 2015 keine Aktionen mehr starten können.

    UPDATE 2017

Die Kameradschaft Bootboys tritt mittlerweile nicht mehr als solche in Görlitz auf. Die bei den Bootboys aktiven Personen haben allerdings mit der Gruppe „Instinkt“ mittlerweile eine Nachfolgeorganisation geschaffen. In erster Linie versucht die Gruppe momentan Kontakt zu sozialen Bewegungen herzustellen indem sie sich an diversen Aktionen von Gewerkschaften beteiligt. Darüber hinaus versucht sich die Gruppe an Propagandaaktionen und Gedenkaktionen zu Ehren von Wehrmacht und SS.


Subkulturelle Nazigruppen

Die zahlenmäßig größte Gruppe der Görlitzer Neonazis dürften sich in verschiedenen Subkulturen wie bspw. der Fußball –, der Autotuning, Gothic – oder der Heavy Metal – Szene zu Hause fühlen. Politisch selbst aktiv sind sie dort eher selten, lassen sich jedoch trotzdem teilweise für rechte Demonstrationen, Konzerte etc. mobilisieren. Hier vereinen sie sich wieder mit den politisch aktiven Neonazis zu einer ideologischen Masse, die die personelle Grundlage für Angriffe und Übergriffe auf Migrant_innen oder alternative Jugendliche bildet.

Auffällig wurde in jüngster Zeit auch die sogenannte Görlitzer Garde. Diese Gruppierung besteht nicht ausschließlich aus Neonazis, unterhält aber enge Kontakte zu Aktivisten der Boot – Boys und der Freien Kräfte Görlitz. Das Logo (ein Zahnrad, kombiniert mit der Zahl 77) dieser Gruppierung lässt einen rechten Hintergrund vermuten, könnte jedoch auch darauf hindeuten, dass die Gruppierung ihren Ursprung beim THW hat. Auf Veranstaltungen der Görlitzer Garde im eigenen Club in der Rothenburger Straße, sind häufig Neonazi – Aktivisten anzutreffen. Beim Schlauchboot – Rennen 2009 im Volksbad nahmen einige Personen der Görlitzer Garde – Mannschaft in rechten Szene – Klamotten der Marke Thor Steinar teil.

In manch anderen ostsächsischen Städten haben subkulturell geprägte Neonazis eigene Gruppennamen, wie bspw. Mean Machine Germania oder Schlesische Opel Front. Dies ist in Görlitz momentan nicht bekannt.


Görlitz bewegt sich

Die rassistische und islamophobe Bürgerinitiative „Görlitz bewegt sich“ konnte sich im Zuge der Flüchtlingsbewegungen 2015 / 2016 / 2017 in Görlitz zeitweise mit Aktionen profilieren. Nach einigen Aktionen hat die Gruppe ihre Aktivität mittlerweile weitestgehend eingestellt und reduziert sich auf das Veröffentlichen von rassistischen und islamophoben Artikeln auf ihrer Facebookseite. Die Aktivisten der Bürgerinitiative sind weitestgehend auch in der AFD aktiv oder unterhalten enge Kontakte zur AFD. Mitglieder der Gruppe waren auch an diversen Pegida-Aktionen sowie an den rassistischen Hetzjagden in Bautzen zugegen. Einzelne Mitglieder der Gruppe unterhalten enge Kontakte in die aktive ostsächsische Neonaziszene. Darüber hinaus sind Kontakte in die polnische Neonaziszene bekannt geworden.


Identitäre Bewegung

Die Identitäre Bewegung konnte in Görlitz bislang kaum nennenswerte Aktionen starten. Gelegentlich tauchen v.a. islamophobe und nationalistische Aufkleber in der Stadt auf. Diese gehen vermutlich auf eine Einzelperson der Identitären Bewegung in Görlitz zurück. Die Person betreibt in Görlitz außerdem ein Cafe und unterhält Kontakte zu anderen rechten Gruppen in der Stadt.


Parteien

Rechte Parteien haben in Görlitz weniger Ausstrahlung als die Freien Kräfte. Die NPD ist zwar in Görlitz präsent und betrieb bis 2010 auch ein eigenes Bürgerbüro in ihrer ehemals eigenen Immobilie auf der Rothenburger Straße, kann jedoch nur wenig öffentlichkeitswirksame Aktivitäten entfalten. Anders ist dies allerdings in Wahlkampfzeiten. Hier gelang es ihr, während des Landtagswahlkampfes und Bundestagswahlkampfes mit massiven Plakatierungen, durchaus einige Aufmerksamkeit zu erregen. Kurz vor der Bundestagswahl musste die NPD allerdings nach einem Verfassungsgerichts – Urteil auch einige ihrer volksverhetzende Plakate wieder entfernen. Eine im Wahlkampf von der NPD angemeldete Demonstration zum Gedenken an den 17. Juni 1954 floppte und wurde nur von wenigen Personen besucht.

Die Partei scheint mit ihrer Tätigkeit in den Parlamenten relativ ausgelastet oder sogar überlastet zu sein. Außer Andreas Storr verfügt die Partei in Görlitz vor allem über Personal aus bildungsfernen Schichten, was kaum in der Lage ist alleine kommunalpolitisch aktiv zu werden. Doch die Partei ist auf dieses Personal angewiesen, wie der Fall des ehemaligen Görlitzer Ortsvorsitzenden Latzel zeigt. Dieser ist trotz zahlreicher in den Medien bekannt gewordenen Straftaten (Diebstahl, Körperverletzung u.a.) nach wie vor auf Funktionärsebene aktiv.

Außer der NPD treten in Görlitz die DSU und die Republikaner als rechte Parteien auf. Auf den Wahllisten der DSU tauchten zur Kommunalwahl einzelne junge Neonazis auf. Auch die ehemaligen NPD-Funktionäre Jürgen Krumpholz und Michael Kubitzki sind mittlerweile bei der DSU aktiv. Sie unterhalten aber nach wie vor Kontakte zur Aktivisten der Freien Kräfte Görlitz. Die DSU und Republikaner versagten im Wahlkampf 2014 weitestgehend. Aktivitäten dieser Parteien waren nur sehr vereinzelt festzustellen.

Die AFD hat in Görlitz zuletzt bei den Kommunalwahlen 2014 zahlreiche Stimmen geholt und ist in die Kommunalparlamente eingezogen. Dies steht teilweise im Widerspruch zu ihrer Verankerung in der Stadt Görlitz. Aktive starke Strukturen sind in der Stadt aktuell nicht zu erkennen und abseits der Wahlkämpfe entwickelt die Partei momentan kaum Aktivitäten.

    UPDATE 2017

Obwohl die NPD auch 2014 wieder in den Stadtrat eingezogen ist, hat sie deutlich an Wählerstimmen (v.a. zugunsten der AFD) verloren. Aktivitäten der Partei sind in Görlitz kaum noch wahrnehmbar. Der Wahlkampf beschränkte sich weitestgehend auf das Aufhängen von Plakaten. Doch auch dies musste weitestgehend von Aktivisten aus anderen Städten übernommen werden. Öffentlich wahrnehmbar ist die Partei darüber hinaus kaum. Auch ihre Internetseite wird nicht mehr aktualisiert und enthält fast ausschließlich Artikel aus anderen Städten. Nachdem die Partei 2014 auch den Einzug in den sächsischen Landtag verpasst hat ist ein schneller Aufschwung für die NPD in Görlitz vorerst nicht zu erwarten. Mittlerweile ist in Görlitz nur noch Per – Lennart Aae in Görlitz für die NPD wahrnehmbar aktiv. Seine Aktivitäten beschränken sich jedoch weitestgehend auf das Veröffentlichen von Facebookbeiträgen.

Die AFD hat im Zuge der Flüchtlingsbewegungen 2015 mit ihrer rassistischen Stimmungsmache in Görlitz immer mehr Zuspruch bekommen. Dies fühte zur Bundestagswahl 2017 dazu, dass die AFD in der Stadt Görlitz zweitstärkste Partei wurde. Im Landkreis wurde sie sogar stärkste Partei. Die Partei unterhält sehr enge Verbindungen zur rassistischen Bürgerinitiative „Görlitz bewegt sich“. Die AFD versucht sich im Jahr 2017 in der Stadt Görlitz durch massive Agitation gegen linke Jugendliche und alternative Jugend – und Kulturprojekte zu profilieren. Ganz besonders tut sich dabei der Polizist Sebastian Wippel (Landtagsmitglied der AFD) hervor.


Infrastruktur

Die NPD hatte in Görlitz eine eigene Immobilie in der Rothenburger Straße als Bürgerbüro.
Aktivisten der Boot Boys versuchen momentan eine Industriebrache in der Nähe des Helenenbades als Kameradschaftsclub aufzubauen. Darüber hinaus betreiben sie im Stadtteil Weinhübel eine eigene Dart-Kneipe.

Ein Neonazi – Aktivist Rene Nierling betreibt in Görlitz eine Baufirma und unterhält im Landkreis Immobilien, die er für Neonaziaktivitäten zur Verfügung stellt. Darüber hinaus nutzen Görlitzer Neonazis auch noch andere Immobilien, wie zuletzt am 25. April 2009 eine alte Industriehalle in Girbigsdorf für ein Konzert.

Weitere wichtige Anlaufpunkte für Görlitzer Neonazis sind das Vereinslokal des FSV Görlitz – Schlesien auf der Kränzelstraße, der Club der Görlitzer Garde in der Rothenburger Straße, diverse Tattoo – Studios, Spielhallen und Diskotheken.

    UPDATE 2017

Das Vereinslokal des FSV Görlitz – Schlesien auf der Kränzelstraße ist mittlerweile nicht mehr in Betrieb. Mittlerweile nutzen die Mitglieder eine Dartkneipe als Treffpunkt. Auch die ehemalige Kameradschaft Bootboys und jetzige Instinkt – Gruppe trifft sich in einer Dartkneipe im Stadtteil Weinhübel. Diverse Personen der rechten Szene betreiben in Görlitz Restaurants, Cafes und Kneipen.








Christopher Seitz - 01.05.2010 - Hoywoy
Manuel Kalipäus Tom Manertz - LE - 171009

Bildmitte/Links Martin Gärtner

Matthias Langer




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