Reisefreudige Görlitzer Nazis

Nachdem es die letzten 2 Jahre um die Neonaziszene in der Stadt Görlitz zunehmend ruhiger geworden ist, lassen sich im Jahr 2015 wieder vermehrt Aktivitäten feststellen. V.a. bei Fahrten zu rechten Veranstaltungen (u.a. TDDZ, Eichsfeldtag, 1. Mai u.a.) zeigten Görlitzer Neonazis zuletzt wieder verstärktes Engagement. Die Jahre zuvor hatten sich viele sowohl parteiunabhängige Nazis, als auch Parteinazis weitestgehend aus der politischen Arbeit zurückgezogen, wobei die Krönung der komplette Zerfall der NPD in der Stadt und dem gesamten Landkreis war.

Das Ende der NPD blieb für die Situation der Neonazis in der Stadt Görlitz weitestgehend folgenlos. Die verbliebenen NPD-Aktivisten um Per Lennart Aae sind seither öffentlich kaum mehr wahrnehmbar. Auch Internetaktivitäten sind kaum noch feststellbar. Dieses wollten wohl einige ostsächsische Neonazis um Daniela Stamm (aus Bautzen, ebenfalls eine ehemalige NPD – Aktivistin) nutzen, um für die Partei „DIE RECHTE“ Strukturen in Ostsachsen auf zu bauen. Unterstützt wurden sie dabei von dem Leipziger Neonazi Alexander Kurth. Matthias Langer aus Görlitz versucht dabei ebenfalls an seiner Parteikarriere zu basteln und wurde in den neu gegründeten Vorstand gewählt. Langer trat bisher in Görlitz politisch kaum in Erscheinung. Auffällig wurde er in der Vergangenheit eher durch sein Erscheinungsbild (Jogginghose, Übergewicht), öffentliche Alkoholexzesse v.a. in der Fußballfanszene oder durch seine Tätigkeiten als Hilfstierpfleger im Tierpark Görlitz. Einige seiner Kameraden ließen sich im Internet außerdem über private Probleme im Umgang mit seinem Sohn aus. Dies würde gut zu seiner wenig familienfreundlich wirkenden Reisetätigkeit passen. Langer ist häufig (auch teilweise unter der Woche) in Bautzen unterwegs und an Wochenenden sehr häufig auf rechten Demonstrationen anzutreffen. Teilweise versucht er sich dabei auch als Redner (wie z.B. in 11.04.2015 in Halberstadt oder am 27.06. 2015 in Bautzen) – was ihm hörbar Mühe bereitete.

Doch auch bei den parteiunabhängigen Görlitzer Neonazis ließen sich zuletzt wieder verstärkt Reisetätigkeiten beobachten, wie zuletzt zum TDDZ in Neuruppin. Dort erschien u.a. eine Gruppe Görlitzer Neonazis (aus Stadt und Landkreis), um dann aufgrund massiver antifaschistischer Blockaden verfrüht wieder den Heimweg antreten zu müssen. In dieser Gruppe war v.a. Paul Stengler auffällig. Bisher war Stengler als Neonazi in der Stadt kaum wahrnehmbar. In Neuruppin wirkte Stengler jedoch auffällig engagiert, v.a. als Transpiträger mit Marcel Gärtner und Marian Wolff und in längeren intensiven Gesprächen mit dem langjährigen Dresdner Neonaziaktivisten Maik Müller. Stengler ist nach eigenen Angaben in Görlitz in diversen Vereinen aktiv. Z.B. im Bereich Kampfkunst (Hapkido) und beim THW. Nach Aussage seines Freundeskreises angeblich auch teilweise im THW – Ableger „Görlitzer Garde“. Dies ist nicht weiter verwunderlich. Gab es doch schon in der Vergangenheit immer wieder Hinweise darauf, dass es in der „Görlitzer Garde“ einige Personen gibt, die enge Kontakte in die organisierte Neonaziszene pflegen.

Besonders hervor stach zuletzt der aus Görlitz stammende Tom Manertz. Aktuell lebt und arbeitet er in Berlin als Security-Mitarbeiter. Zuletzt war er dabei nach eigenen Angaben beim Berliner CSD aktiv. Auf seinem Facebook-Account ließ sich Manertz dann im Nachgang über homosexuelle Menschen mit der Forderung aus, dass „so etwas nicht in die Öffentlichkeit gehöre“. In Görlitz war er immer wieder bei diversen parteiunabhängigen Kurzzeitgruppen à la Freie Aktivisten Görlitz, autonome Nationalisten Görlitz u.a. aufgetaucht. Schon damals immer mit engen Verbindungen ins Hooligan – Milieu.

Aktuell versucht sich Manertz politisch v.a. als youtube – Agitator für die Hooliganvereinigung „gemeinsam stark e.V.“. Die Auftritte in seinen Videos wirken dabei fast durchweg so grotesk, dass sich bisweilen selbst seine Kameraden fragen, ob die Videos ernst gemeint sind oder eine selbstkritische Satire darstellen sollen. Beim Betrachten seiner youtube – Videos ist es dann auch schwer vorstellbar, dass der Verein damit wirklich neue Mitstreiter_innen finden wird – was sich auch an den sinkenden Teilnehmerzahlen bei ihren Aktivitäten ablesen lässt.

Welche Auswirkungen diese neuen Organisationsbemühungen Görlitzer Neonazis haben, lässt sich noch nicht abschätzen. Angesichts der ständig anhaltenden VS-, Aussteiger-, Kriminalitäts-, Auflösungs- und sonstiger Skandale in der Görlitzer Neonazi-Szene wäre es auch nachvollziehbar, wenn ihre Bemühungen wieder einmal im Sande verliefen.

Matthias Langer
Paul Stengler
Tom Manertz





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