Amboß ist Bosslos

Wie die Sächsische Zeitung zuletzt berichtete ist der Görlitzer Neonazi-Aktivist Benjamin Amboß mittlerweile seinen Job als Security-Mitarbeiter los.

Wir werden auch weiterhin Informationen über Aktivitäten der Mitglieder der Division Schlesien auswerten und ggf. veröffentlichen.

Das schreibt die SZ:

Samstag, 18.10.2014

Sicherheits-Chef entlässt Neonazi

Von Frank Seibel

Der Typ hielt sich für ziemlich clever. Sein Chef sollte nicht sehen, was Benjamin A. da im sozialen Netzwerk Facebook präsentierte. Unter dem Namen „Benny Görlitz“ stellte er dort ziemlich offen zur Schau, dass er ein Rechtsextremist ist und zur „Division Schlesien“ gehört. Seinen Chef hatte er vorsorglich geblockt – das heißt, er konnte die Seite seines Mitarbeiters nicht sehen. Mittlerweile ist das Profil mit ausländerfeindlichen Parolen und dem Bekenntnis „Nein zum Heim“ gegen die Aufnahme von Flüchtlingen in Görlitz nicht mehr zu finden. Seinen Job ist Benjamin A. trotzdem los. Er arbeitete bei einer Sicherheitsfirma und flog auf, weil ihn Kenner und Kritiker der rechtsextremen Szene enttarnt hatten. Die Mitglieder der Görlitzer „Antifa“-Gruppe hatten nach der Misshandlung von Asylbewerbern durch Sicherheitsleute in einem Heim in Nordrhein-Westfalen recherchiert.

Eine E-Mail bekam auch der Inhaber der Sicherheitsfirma HSD in Zittau, Jens Holdinghausen. Der reagierte nach eigenen Angaben sofort. Zuerst der Blick in die Personalakte. Dort lag das Führungszeugnis, umfassend geprüft von den Behörden des Landkreises, von der Polizei und sogar vom Verfassungsschutz. Die Bescheinigung vom Landratsamt lautet: Herr A. kann bedenkenlos für den Sicherheitsdienst arbeiten. Das steht im Widerspruch zum Sündenregister, das die Antifa-Leute über Benjamin A. angelegt haben. Demnach war er schon in Torgau in der Neonazi-Szene aktiv, bevor er vor zwei Jahren nach Görlitz kam. Hier habe er sich zunächst im Umfeld der NPD engagiert, dann vor allem in sogenannten freien Kameradschaften. Auf Facebook sei er der Administrator der fremdenfeindlichen Seite „Nein zum Heim!“ Holdinghausen fand auf Umwegen doch Zugang zur Facebook-Seite von „Benny Görlitz“ und stellte seinen Mitarbeiter zur Rede. Nach dem Gespräch war Benjamin A. entlassen. Wenn er fest angestellt gewesen wäre, hätte es vielleicht arbeitsrechtliche Probleme gegeben. Aber beim Pauschalisten war der schnelle Schnitt möglich.

Jens Holdinghausen ärgert sich trotzdem. Er habe alles getan, was man tun kann. Dass ihm jetzt so ein Ei ins Nest gelegt wurde, ärgert den Sicherheitsmann vor allem deshalb, weil er schon vor zehn Jahren mit seinen Leuten darauf geachtet hat, dass Neonazis in ihrer Kluft nicht zu Veranstaltungen wie dem Kemnitzer Oktoberfest zugelassen werden. Springerstiefel und Kampfhosen waren tabu. „Vor zehn Jahren traten die Rechten deutlich aggressiver auf als heute und kleideten sich entsprechend“, sagt Holdinghausen. Bei Großveranstaltungen habe er mit seinen Mitarbeitern offenkundige Neonazis abgewiesen. Die Initiative für diese Grenzziehung sei von ihm und seiner Firma ausgegangen, betont Holdinghausen und ist darauf stolz. Natürlich habe er das mit den Veranstaltern so abgesprochen. Heute seien die meisten Rechtsextremen nicht mehr so klar erkennbar. Sie treten zahmer auf als früher, sagt der Sicherheitsexperte.

Von Veranstaltern und Behörden bekommt Jens Holdinghausen beste Bewertungen. „Wir arbeiten schon viele Jahre mit HSD zusammen, weil es sehr gut läuft“, sagt Benedikt Hummel von der Görlitzer Kulturservice GmbH, die unter anderem das Görlitzer Altstadtfest organisiert. Da kommen immerhin jedes Jahr rund 100000 Menschen zusammen. Dass es dabei friedlich bleibt, schreibt Hummel auch dem zurückhaltenden, deeskalierenden Auftreten der Sicherheitsleute vom HSD zu. Auch hat Hummel den Eindruck, dass Holdinghausen seine Leute für die jeweiligen Einsätze sehr umsichtig aussucht. „Die Sicherheitsleute treten ziemlich dezent auf.“ Schwarze Hose, weißes Hemd oder Polo-Hemd ist die Grundausstattung der HSD-Mitarbeiter. Auch das Görlitzer Ordnungsamt und die Polizei bestätigen das Lob der Altstadtfest-Organisatoren. Professionell hat übrigens auch Benjamin A. gearbeitet. „Er hat nie Probleme bereitet, wenn er mit einem ausländischen oder einem farbigen Kollegen zusammengearbeitet hat“, sagt Jens Holdinghausen. Auch beim regelmäßigen Einsatz in einem Görlitzer Tanzclub, der viel von Polen besucht wird, habe es nie Probleme gegeben.

Siehe auch:

Indymedia-Artikel





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