[CZ] Kinderfest gegen Antiziganismus

Seit mehreren Wochen organisiert Lukáš Kohout antiziganistische Demonstrationen im Norden der tschechischen Republik. Menschen, die sich mit den Roma solidarisch zeigen, organisieren seit geraumer Zeit aktive Unterstützung der Angegriffenen. Als vor einiger Zeit die Demonstration von Kohout angeführt direkt am Haus der Romas vorbeiging, konnte den Kindern im Garten mit Jonglage und anderen Kinderspielen etwas Abwechslung gegeben werden. So auch am 02.Oktober. Kinder malten, wurden als Indianer geschminkt, was Ihnen sichtbar Freude bereitete. Dank solidarischer Menschen aus Sachsen konnten sie sich auch als Jongleure probieren. Zudem waren menschen mit Instrumenten da, die die Stimmung durch nette Musik aufbesserten.

Für den 15.Oktober 2011 wurde ein Kinderfest mit den betroffenen Romas in Varnsdorf organisiert.
An diesem sonnigen Herbsttag gehörte der Platz, auf dem die romafeindlichen Kundgebungen stattfanden, den Roma und allen, die ein deutliches Zeichen gegen Antiziganismus setzen wollten.
Solidarische Menschen aus Deutschland, darunter aus Berlin, Leipzig, Dresden, Chemnitz, Bautzen, Zittau, Liberec, Novy Bor, Görlitz und selbst aus Rostock unterstützten diese Aktion. So wurde dringend benötigte Kleidung und Spielzeug gesammelt und den Anwesenden übergeben.
Eine Vokü sorgte mit veganen Essen für das leibliche Wohl. Für Diskussion sorgte, dass diese das Essen kostenlos abgeben wollte. Dies sollte untersagt werden, da noch andere Händler vor Ort waren, die jedoch ihr Essen verkaufen wollten und somit besorgt waren, keinen Gewinn zu machen. Die Optionen waren, uns einen anderen Platz zu suchen, oder ebenfalls Geld zu verlangen. So einigten wir uns, dass wir 20 KSC verlangten, statt 40 KSC, wie die professionellen Händler. Viele Kinder trauten sich nicht, das Essen anzunehmen was wir ihnen anboten, da wir ihnen nicht erklären konnten, dass sie nichts zu bezahlen brauchen. Ein Freund aus Liberec legte einen Flyer aus, auf dem erklärt wurde, dass es eine Spende ist und wer kein Geld hat nichts zu bezahlen braucht. Wer es sich leisten konnte, lies eine Spende da. Danach trauten sich die Kinder doch das Essen anzunehmen. Dieses fand auch bei den erwachsenen Besuchern reißenden Absatz, so dass noch nachgekocht werden musste. Die lokalen Romas haben die Idee, eine nicht mehr genutzte Kirche als sozialen Treffpunkt zu nutzen. In diesem wollen sie Angebote für Menschen, die wie sie selbst sozial benachteiligt werden, schaffen. Diesem Vorhaben wird das bei der Vokü eingenommene Geld gespendet und kommt somit den Menschen vor Ort zugute.

Auch bei den Kleiderspenden herrschte großer Andrang. Gut, dass es immer wieder Nachschub gab, da Gruppen aus Leipzig, Berlin und anderen Städten zu unterschiedlichen Zeiten anreisten.
Die Kinder zeigten ihr Können bei einer Brake – Dance – Show und bei den traditionellen Tänzen der Roma. Solosängerinnen und eine Band sorgten für die musikalische Unterhaltung.
Für die Kinder waren verschiedene Spiel – und Bastelmöglichkeiten aufgebaut und eine „Rallye“ mit Funkautos sorgte vor allem bei den Jungen für Begeisterung. Die Geschicklichkeit konnte beim Eierlauf gezeigt werden.

Wir bewerten den Tag als Erfolg, den Solidarität und praktische Hilfe wurde direkt vor Ort geleistet. Den Kindern hat es sehr gefallen. Nun wird gemeinsam mit unseren tschechischen Freund_innen überlegt, wie langfristig geholfen werden kann.

Dank auch an die Spender_innen, die dem Aufruf des Tamara Bunke Verein gefolgt sind und den Tag mit einer Geldspende unterstützten. Namentlich seien hier die Initiative „pogrom91“ und die sächsische Landtagsabgeordnete Marion Junge (Linksfraktion) erwähnt, die jeweils 100 Euro spendeten.

Am gleichen Tag versuchte Kohout in Sluknov eine Kundgebung abzuhalten. Auf dieser wurde er ausgebuht und musste seine Hetze vorzeitig abbrechen. Ein weiteres tolles Zeichen an diesem Tag.

Eine Woche zuvor fand in Ústí nad Labem eine antiziganistische Kundgebung statt. Diese wurde von „Einheimischen Bürgern“ organisiert, um die Rechte der „anständigen“ Bürger gegen den „Parasitismus“ der Roma zu unterstützen.
Die meisten Reden wurden jedoch von der rechtsextremistischen DSSS (Dělnická strana sociální spravedlnosti) gehalten, unter anderen von Peter Kotab, dem Landesvorsitzenden der DSSS. Etwa 300 – 400 „anständige Bürger“ der „bürgerlichen Mitte“ und faschistische Gruppierungen beteiligten sich an der Kundgebung und der anschließenden Demonstration, die unter dem Motto „Gegen das Schmarotzertum der Unanpassungsfähigen“ stand. Lukáš Kohout, Faschist und verurteilter Betrüger führte gemeinsam mit Faschisten verschiedener Organisationen den Demozug an.
Die Demonstrationsteilnehmer_innen skandierten unter anderem Sprüche wie „Stoppt schwarzen Rassismus“, Tschechien den Tschechen“ und „Nichts als die Nation“. Auf Plakaten waren Bilder von Romas zu sehen, welche die Faschisten für die „Anschläge“ in Nový Bor und Rumburk verantwortlich machen.
Auf der Demoroute war in der Nähe eines von lokalen Anarchisten genutzten Treffpunktes ein Transparent mit der Losung „Der Nationalismus ist Kitsch“ angebracht worden. Die Faschisten in den ersten Reihen rissen das Transpi unter Beifall herunter. Etwa 100 Meter weiter blieb der Demozug für ein paar Minuten stehen, um die, leider viel zu wenigen, Gegendemonstrant_innen mit „Nettigkeiten“ zu beeindrucken. Danach verzog sich der braune Mob wieder in Richtung Innenstadt.
Wie der News-Server iDNES.cz berichtet, hat die Polizei zwei Faschisten festgenommen die den Slogan „Blood and Honour“ auf ihrer Kleidung trugen. Die Polizeisprecherin Jarmila Hrubešová sagte: „Sie trugen illegale Parolen auf ihren Mänteln, aber es ist zu früh zu sagen, ob sie ein Verbrechen oder ein Vergehen begangen haben“. Am Morgen des 08.10. entdeckte die Polizei in einem Keller entlang der Demoroute Pflastersteine und Holzknüppel, sowie einen Berg von Pflastersteinen auf der Velká Hradební Straße, auf der die Demoroute entlang führte.
Am Vormittag wurde ein Faschist bei einer Polizeikontrolle festgenommen, der mit einer Machete bewaffnet war. Die Polizei war mit mehreren hundert Beamten, Hundestaffeln, berittener Polizei und einem Hubschrauber vor Ort. Wie immer, war entlang der Demoroute nur das Anti – Konflikt – Team präsent. Die Polizei beschränkte sich darauf „neuralgische Orte“ zu schützen.

Dankenswerter Weise hat der Tamara Bunke Verein für internationale Jugendverständigung sein Konto für Geldspenden an die Roma bereitgestellt.
„Alle eingehenden Spenden werden ohne Abzüge direkt an die betroffene Roma weitergeleitet. Um eine gerechte Verteilung der Spenden zu gewährleisten, wurde der Zentralrat der Sinti und Roma mit der Bitte angeschrieben, uns dabei behilflich zu sein. Da wir transparent arbeiten, sind wir gern bereit alle eingehenden Spenden sowie die Weitergabe zu dokumentieren und öffentlich zu machen.“, so die Vereinsvorsitzende.
Der Verein unterhält nachfolgende Bankverbindung:
Inhaber: Tamara Bunke Verein / Kontonummer: 3000082580 / BLZ: 850 501 00
Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien / Betreff: Roma CZ
Spendenquittungen können leider nicht ausgestellt werden, da die Gemeinnützigkeit wegen politischer Betätigung des Vereins seitens des Finanzamtes Löbau abgelehnt wurde.
Die Roma danken bereits jetzt für eure Solidarität!

Wenn ihr helfen wollt, weitere Ideen und Hinweise habt, dann schreibt diese an:
solidarity-with-roma[at]riseup.net
Den Pgp-Schlüssel findet ihr bei subkeys.pgp.net.

Bilder und weitere Informationen gibts HIER





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