Rückblick: 10.11.2010 – Prozess gegen Dirk Wobus (Boot – Boys Görlitz)

Dirk Wobus

Am 10.11.2010 fand im Amtgericht Görlitz der Prozess gegen den Neonazi – Aktivisten Dirk Wobus (geb. 02.07.1985, wohnhaft in Görlitz – Königshufen) statt. Vorgeworfen wurde ihm Raub und gefährliche Körperverletzung in drei Fällen. Die Tat erregte in Görlitz aufgrund ihres brutalen und sadistischen Charakters einiges an Aufsehen.


Die Tat

Die Tat ereignete sich in der Nacht vom 13. auf den 14. September 2008. Mehrere Görlitzer Neonazi – Aktivisten hatten sich damals zu einem Angriff auf Jugendliche im Görlitzer Volksbad verabredet. Der Angriff war gut vorbereitet und genau strukturiert, was man an dem sehr koordinierten Vorgehen (Opfer voneinander separieren, vermummt etc.) sichtbar wird.

Eigentlich sollten dort feiernde Punker überfallen werden, doch diese waren zum Zeitpunkt des Überfalls alle bereits nach Hause gegangen. Insofern traf es dort dann vier „normale“ Jugendliche, die dort um diese Uhrzeit noch anwesend waren. Die Nazis gingen bei ihrer Tat äußerst brutal und rücksichtslos zu Werke. Nachdem alle Jugendlichen zu Boden gegangen waren gab es noch weiterhin Schläge und Tritte gegen die am Boden liegenden Opfer. Es wurde darüber hinaus gedroht, den Kopf eines Opfers zu zertreten. Eine Drohung der dadurch Nachruck verliehen wurde, dass ein Täter direkt ein Fuß auf den Kopf eines der Opfer stellte und gegen den Kiefer getreten wurde.
Eines der Opfer hat bleibende Schäden am Gehör bei dem Angriff davongetragen.

Die Täter wollten von den Jugendlichen die Telefonnummer eines Görlitzer Punkers erpressen und diese berauben, was Ihnen auch gelang, denn einem der Opfer fehlte danach Geldbörse mit Geld und Papieren und aus Angst nannte eines der Opfer die Telefonnummer.

Besonders sadistisch wird die Tat v.a. durch den Umstand, dass mindestens zwei Nazis um ihre Opfer zu quälen auf diese urinierten, als diese verletzt am Boden lagen. Eine Vorgehensweise, die die menschenverachtende Einstellung Görlitzer Nationalisten besonders hervorhebt. Die Tat konnte mit der notwendigen Sicherheit nur Dirk Wobus zur Last gelegt werden. Seine DNA konnte großflächig auf der Jacke eines der Betroffenen festgestellt werden. Neben dem Angeklagten konnten auch noch anhand von Mobilfunkauswertungen Sandro Lorenz, Rene Nierling und Erik Kußin nachgewiesen werden, dass sie sich während der Tatzeit in der Nähe des Tatortes aufgehalten haben müssen. Dies reichte der Staatanwaltschaft allerdings nicht, um gegen diese ebenfalls Verfahren zu eröffnen.

Der Täter

Dirk Wobus ist seit Jahren als Neonazi – Aktivist in Görlitz bekannt. Auf Demonstrationen ist er kaum anzutreffen. Im Stadtbild ist er (mittlerweile mit Familie) häufig anzutreffen. In der Öffentlichkeit tritt er nach wie vor im typischen Neonazi – und Hooligan – Outfit auf und ist auch nach wie vor in der Görlitzer Neonazi – Szene aktiv.

In seiner Freizeit ist der Täter beim Fußballverein „Energie Görlitz“ als Abwehrspieler engagiert. Dies ist insofern relevant, da es 2010 bereits ein Prozess mit Verurteilung gegen einen Trainer von Energie Görlitz wg. Zeigens verfassungsfeindlicher Symbole gab. Der Verein scheint zunehmend zu einem Sammelbecken der Görlitzer Neonazi – Szene zu werden. Fast alle Spieler der ersten Herrenmannschaft sind als Neonazi – Aktivisten in Görlitz bekannt.

Seine Lust am Quälen anderer Menschen, die im Prozess offensichtlich wurde zeigt Wobus auch gerne im Internet. Auf youtube hat er Videos eingestellt (Siehe: http://www.youtube.com/user/BloodandSoil88), in denen zu sehen ist, wie Wobus einen anderen Görlitzer Neonazi – Aktivisten schlägt. Dieser findet (wenn man den Videos glauben kann) offensichtlich Gefallen daran, sich von Wobus demütigen zu lassen.

Das Ermittlungsverfahren

Wobus und andere Görlitzer Neonazi – Aktivsten (das Ermittlungsverfahren lief gegen fast 30 Mitglieder der Kameradschaft „Boot – Boys Görlitz“ und der „Freien Kräfte Görlitz“ (nennen sich auch „Autonome Nationalisten Görlitz“). Von den Ermittlungen betroffen waren mehrere Generationen Görlitzer Neonazis: Rene Nierling, Sandro Lorenz, Rene Münzberg, Martin Schulze, Rocky Mauksch, Marko Jacobi, Michaelr Heinze, Sebastian Reddemann, Mario Vogt, David Herbrig (siehe: Prozess gegen David Herbrig), Erik Kußin (siehe: Prozess gegen Erik Kußin), Ron Friedrich.und viele andere (erweiterte Namensliste und Fotos bei begründetem Interesse und auf Anfrage).

Das Verfahren lief dabei nicht nur wg. des Überfalls auf die Jugendlichen im Volksbad, sondern auch wg. anderer Delikte. So z.B. wg. Randalierens auf einer italienischen Raststätte. Am 21.03.2008 hatten Michael Heinze, Rene Münzberg, Rocky Mauksch, Marko Jacobi, Sebastian Reddemann, Marian Wolff, Marcel Thiel und Mario Voigt auf der italienischen Raststätte „Plose Ovest“ randaliert. Als die italienische Polizei die Aktivitäten der Görlitzer Neonazis auf dem Rastplatz beendete, wurden u.a. auch Fahnen mit der Aufschrift „Boot – Boys – Görlitz“ beschlagnahmt.

Darüber hinaus gab es auch noch ein weitere Ermittlungen wg. Zeigens verfassungsfeindlicher Symbole. Vor dem Fußballländerspiel Deutschland – Türkei am 02.07.2008 hatte die Kameradschaft in ihrem Club mindestens zwei Hakenkreuzfahnen aufgehängt, die auch von außerhalb des Clubgeländes sichtbar waren.

Das Urteil

Wobus wurde zu zwei Jahren Haft ausgesetzt auf drei Jahre Bewährung verurteilt. Der Raub konnte ihm nicht nachgewiesen werden, insofern gab es nur eine Verurteilung wg. gefährlicher Körperverletzung.

Fazit

Der Prozess zeigt einmal mehr, dass es in der Görlitzer Neonazi – Szene eine hohe Affinität zur Gewalt gegen Menschen bis hin zu sadistischen Zügen gibt. Diese wird offensichlich „über die Generationen hinweg“ weitergegeben. Gleichzeitig wird aber auch durch den Prozess sichtbar, dass es mit juristischen und polizeilichen Mitteln nur sehr bedingt gelingt die nationalistische Szene in Görlitz wirksam zu bekämpfen. Obwohl an dem Übergriff nach Aussage der Betroffenen 25 – 30 Neonazis beteiligt waren, wurde gerade mal gegen einen Täter ein Prozess geführt. Eine wirksame Strafverfolgung sieht wohl anders aus. Es zeigt sich einmal mehr, dass nicht staatliche Repression das Mittel der Wahl sein kann. Wirksame Aktionen gegen die Göriltzer Neonazi – Szene müssen einen politischen und kulturellen Charakter haben und die kritische Auseinandersetzung mit Rassismus und Antisemitismus bis hinein in die Mitte der Gesellschaft einschließen.

Das schreibt die Sächsische Zeitung:

Freitag, 12. November 2010
(Sächsische Zeitung)

Bewährung für Prügelattacke

Das Amtsgericht Görlitz hat Dirk-Mario W. wegen gefährlicher Körperverletzung in insgesamt drei Fällen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Die Strafe ist auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt worden. Außerdem muss der Verurteilte Schmerzensgeld an die Opfer zahlen. Die Anklage wegen Raubes ließ das Gericht fallen.

Der Verurteilte gehörte zu einer mit Kapuzen und Sturmhauben vermummten Gruppe, die am 14. September 2008 fünf Personen im Helenenbad brutal angegriffen hatte. Ihre Opfer wurden dadurch in in Angst und Schrecken versetzt. Laut Anklage sollen die Täter gefordert haben, dass sich die Opfer auf den Boden legen. Anschließend traten die Täter zu. Den Ermittlungen nach haben die Angreifer zusätzlich versucht, Telefonnummern zu erpressen. Einer der Täter hat eine Geldbörse und einen MP3-Player an sich genommen. Ein anderer Täter soll auf ein Opfer uriniert haben.

Mit einem DNA-Vergleich kamen die Ermittler Dirk-Mario W. auf die Spur. Zu Hilfe kam dabei der routinemäßige Vergleich mit einem Vorfall, der sich 2008 in einer italienischen Raststätte ereignete und an dem Mitglieder der Görlitzer „Boot Boys“ beteiligt waren.





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