25.02.2010 – Prozess gegen Erik Kußin am Amtsgericht Leipzig

Am Donnerstag, den 25.02.2010 hat in Leipzig das Gerichtsverfahren gegen den Görlitzer Neonazi – Aktivisten Erik Kußin statt gefunden. Kußin war angeklagt worden, weil er sich am 24. Oktober 2009 an einem Überfall auf Fußballfans des RSL in Brandis beteiligt hatte, bei dem mehrere Menschen zum Teil schwer verletzt wurden (siehe: Spiegel – Artikel) .

Seit Mitte November saß er in U-Haft (siehe: U-Haft für Erik Kußin) und hatte so schon einmal die Möglichkeit bekommen sich genau zu überlegen, was er beim Prozess zu seiner Verteidigung vorbringen will. Doch was er erzählte, war nicht entlastend. So erzählte er während der Verhandlung Geschichten darüber, wie er in Brandis einfach so einer Gruppe hinterher gelaufen sein will, einfach nur so einen Holzklotz durch die Gegend warf, oder auch angeblich nur einfach so aus Neugierde während des Spiels auf das Fußballfeld gerannt sein will. Dass ihm diese Geschichten niemand glaubte, hätte ihm schon vorher klar sein können. Doch er beharrte auch noch auf seiner Sicht der Dinge, als ihm Beweisfotos und Filme vorgelegt wurden, die ihn in Aktion zeigten.

Und so kam es zu einer Verurteilung eher im Sinne der Staatsanwaltschaft: Haftstrafe – 2 Jahre und 2 Monate und dazu noch 6 Extra – Monate, da er bei seiner Tat in Brandis seit 16 Tagen wg. eines anderen Gewaltdeliktes gegen einen Polizisten unter Bewährung stand. Sein Verteidiger hatte ebenfalls wie die Staatsanwaltschaft auf schuldig plädiert, aber nur 1 Jahr Haft gefordert. Dies ist wohl auch der Grund, warum sein Anwalt überlegt, nochmals in Berufung zu gehen. Er sagte nach dem Prozess in einem MDR – Interview außerdem, dass sein Mandant die Tat schon bereuen würde, aber das wohl im Gerichtssaal nicht so zeigen konnte. Für den Fall eines Berufungsprozesses darf man also gespannt sein, ob Erik Kußin doch noch geständig ist und umfassend auch gegen andere Nazis aussagt, um einer langen Haftstrafe zu entgehen.

So weit war es diesmal jedoch noch nicht. Reue für seine Tat zeigte Kußin im Gerichtssaal keine. Er wirkte in seinem Cunt-Grinder-Pulli eher teilnahmslos und desinteressiert. Selbst als er anfing über die Kameradschaft „Boot – Boys“ alias „22-Crew“, als angeblich „normalen“ Jugendclub zu erzählen, war keine große Regung bei ihm zu bemerken. Auch nicht als er über seine Jugend oder seine Freundschaft zu Paul Mühlmann und den Gebrüdern Tom und Rocco Hollstein erzählte. Da kamen zwar Geschichten vom Besuch der Elisabeth – Grundschule und der Hauptschule, von der Scheidung seiner Eltern, dem Aufwachsen bei der Mutter, seiner Ausbildung zum Anlagentechniker und der Kündigung nach der Inhaftierung, doch Emotionen zeigte er dabei keine.

Vielleicht war er aber einfach deprimiert. Denn was seine Freunde von den Freien Kräften Görlitz unter Kameradschaft verstehen, zeigten sie in seinem Fall recht deutlich: Obwohl der Gerichtstermin vorher schon fest stand und veröffentlicht wurde, war kein einziger seiner Görlitzer „Kameraden“ gekommen. Auch der sonst so mitteilungsfreudige Andreas Storr von der NPD hielt sich fern und auf seiner Internetseite bedeckt. Er schwieg zum Prozess gegen den gleichgesinnten Kußin, bzw. schimpfte lieber über zu lange Görlitzer Stadtratssitzungen.

Es bleibt abzuwarten, ob nun tatsächlich noch eine Berufungsverhandlung folgt und was Erik Kußin dann erzählt, um seine anstehende lange Haftstrafe vielleicht doch noch zu verkürzen. Sicher ist aber so oder so, dass die verletzen RSL – Fans und Spieler wohl länger unter seinen Gewalttaten leiden werden, als er am Gefängnis – Essen.

Weitere Berichte zum Prozess:
Sächsische Zeitung
MDR
Freie Presse





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